Abriss der Alten Schule im Gespräch
Einen Tag, nachdem Bürgermeister Dr. Rainer Vogel (GRÜNE) für eine gemeinsame Initiative zur Umnutzung der Alten Schule geworben hatte, überraschten CDU/FDP, SPD und Woltersdorfer Bürgerforum (WBF) mit dem Vorschlag, das Gebäude abzureißen. Sie begründen dies mit der Wirtschaftskrise und einem fehlenden Nutzungskonzept. Die Verwaltung fühlte sich düpiert.
Die Alte Schule zieht sich als Thema derzeit durch alle Ausschüsse der Gemeindevertretung. Dabei geht es vor allem um die Nutzung des Erdgeschosses. Während alle anderen Etagen der Verschönerungsverein für sein Heimatmuseum bekommen soll, gibt es für die untere Etage nur vage Vorstellungen. Der Bürgermeister und die Fraktion DIE LINKE sprechen von einem Kultur- und Bürgerhaus, dass für alle im Ort nutzbar sein soll. Aber ein Betreiber, der die Betriebskosten übernimmt, fehlt. Klar ist nur: Es muss ein gemeinnütziger Betreiber sein, damit die avisierten Fördermittel fließen.
Im Bauausschuss vorletzte Woche schlug der Bürgermeister eine “Öffnung” der unteren Etage nach außen – mit Terrasse – vor. Im Sozialausschuss lud er für den 28. Mai alle Interessierten zu einem offenen Treffen ein (19 Uhr, Hummelchen), um Ideen für Konzept und Betrieb auszutauschen. An einer Nutzung interessiert ist nach Aussagen des Bürgermeisters auch eine Gruppe um den kirchennahen Gemeinderat Dr. Matthias Schultz (CDU). Dr. Vogel hat sich aber bereits mit seiner Aussage, einen “überkonfessionellen und überparteilichen” Betreiber finden zu wollen gegen diese Gruppe positioniert.
Im Hauptausschuss überraschte nun Prof. Dr. Wolfgang Stock (CDU) mit dem Vorschlag, einen Abriss der Alten Schule in Erwägung zu ziehen. Er sei mit anderen Gemeinderatsmitgliedern nach einem Bier zu dieser Idee gekommen. Man solle doch überlegen, ob es nicht noch andere ungenutzte Räumlichkeiten rund um den Markt gebe.
Dr. Vogel reagierte ungehalten. Diese “bierselige Idee” sei “unglaublich, und würde “uns um Jahre zurückwerfen”. LINKEN-Vorsitzende Prof. Dr. Eva Böhm wies darauf hin, dass die Gemeindevertretung vor Jahren beschlossen hätte, die Alte Schule als “kommunalen Begegnungsraum für Jugendliche und Vereinstreff zu etablieren”. Sie wertete es als “Affront gegen den neuen Bürgermeister, das jetzt in Frage zu stellen”.
Unterstützt wurde der CDU/FDP-Vorschlag von SPD und WBF. Heinz Vogel (WBF) und Frank Müller-Brys (SPD) führten die sich verschlechternde Haushaltslage der Gemeinde als Begründung an. Die Alte Schule wäre eine zusätzliche Belastung. Man müsse “Folgekosten von 20.000 bis 30.000 € im Jahr” (Müller-Brys) einrechnen. Vor die Wahl gestellt, habe der Bau der neuen Sporthalle für die SPD oberste Priorität. Dr. Matthias Schultz (CDU) fügte an, dem Verschönerungsverein werde man helfen, eine andere Lokalität zu finden.
Der Bürgermeister erwiderte, er wolle keine Entscheidung zwischen Alter Schule und neuer Sporthalle. Auch für die neue Sporthalle würden Folgekosten anfallen, die noch keiner kenne. Die Alte Schule sei für ihn eine Möglichkeit, durch die sich die neu zugezogenen Woltersdorfer in die Gemeinde einbringen könnten. Sein Vorgänger Wolfgang Höhne (parteilos) hatte zugegeben, dass er diese Gruppe im Wahlkampf nicht erreicht hatte.
Sein Bauamtsleiter Dietrich Joecks sprang Dr. Vogel bei. Die Alte Schule sei eine “feste Größe im Sanierungsplan”. Er redete den Gemeinderäten ins Gewissen: “Denken Sie an das Stadtbild. Reißen Sie ein 150 Jahre altes Gebäude nicht so schnell ab”. Die “größten Mittel stehen bereit”, auch in einer Finanzkrise brauche man sie “nur abrufen”. Konkret ging es dabei um Fördermittel in Höhe von rund 750.000 Euro. Er warnte, all die “vorbereitenden Maßnahmen” und Gelder “nicht in einem Federstrich” zu verwerfen.
Verabschiedet wurde am Ende ein Beschluss, wonach der Bürgermeister in den nächsten Wochen zunächst prüfen soll, welche alternativen Räumlichkeiten für das Heimatmuseum, Seniorenclub und Bürgerbegegnung rund um den Markt zur Verfügung stehen. Außerdem forderte der Hauptausschuss mit den Stimmen von CDU, SPD und WBF die Verwaltung auf, konkrete Personal- und Sachkosten für die Nutzung der Alten Schule zu prognostizieren.
In einer früheren Version dieses Artikels war die Höhe der Fördermittel mit 350.000 Euro angegeben. Tatsächlich handelt es sich um 750.000 Euro.
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4 Kommentare
Ihre Meinung?
Hallo-durch Zufall auf ihr Blog gelangt lese ich diese Zeilen mit Verwunderung und Befremden.Als Ex-Woltersdorfer und ehemaliger Schüler genau dieser Alten Schule(in den 70ern)sind mir solche Ideen völlig Unverständlich.Ein Abriss wäre eine Amputation der Ortsmitte!Aber Angesichts des Verfalls des Alten Dorfkrugs gegenüber,der stümperhaften Versäumnisse bezüglich des Fidushauses und der Unfähigkeit die Maiwiese als Veranstaltungsort irgendwie zu positionieren(ok andere Baustelle)verfolge ich die Ereignisse mit Sorge.Keine Guten Zeiten.Und ältere W.Dorf-Exilanten glauben das ein solches auch das Versiegen von Quellen einstiger Liebe darstellt.Wieso werden nicht Einfach ein paar Künstler Eingeladen und Bewohnen dieses Gebäude auf Kosten der Gemeinde für eine Weile-lässt sich betimmt alles Organisieren.Schauen wir doch mal ins Brandenburger Umland-Preis:Reputation!Produktion!Statt
Amputation usw.
Na dann .Gruss aus der grossen Stadt nebenan.
FrankStein am 25.05.2010
Hallo Herr Kämpfe, ich darf kurz ergänzen bwz. klarstellen!
Richtig ist, dass der am Ende gefasste Beschluss dem einführenden Vorschlag von Dr. Stock entsprach. Es war nie die Rede vom Vorschlag, die Alte Schule abzureißen, es stand von Anfang an die Bitte an die Verwaltung, die Folgekosten für die beiden Varianten gegenüber zu stellen. Dieses Zahlenmaterial fehlt, um sich diesbezüglich ein genaues Urteil erlauben zu können. IMO haben alle Beteiligten offen gelassen, dass am Ende sehr wohl eine Sanierung der “Alten Schule” die beste Lösung darstellen kann. Sollte sich ergeben, dass ein Abriss die beste aller Möglichkeiten darstellt, dann werden sich alle Beteiligten diesen Schritt genau überlegen.
Im übrigen unterstützt auch der Ortsverband der Grünen die Bitte nach Erbringung konkreter Zahlen durch die Verwaltung. Leider konnten die Herren Kuiper und Manshardt den Bürgermeister im Vorfeld nicht überzeugen, sachlicher mit diesem Antrag umzugehen.
Stefan Grams
Stefan Grams am 25.05.2010
Hallo Herr Grams, in Ihrer Interpretation kann ich nur zum Teil mitgehen. Prof. Dr. Stock sprach davon, wie schön es wäre, freie Sicht auf die Straße hinter der Alten Schule zu haben, gar eine Fußgängerzone dort einzurichten. Richtig ist, dass er das Wort “Abriss” nicht in den Mund nahm. Den hat er m.E. aber gemeint – und Prof. Dr. Eva Böhm und Dietrich Joecks scheinen das nicht weniger deutlich verstanden zu haben. Sie entgegnete, man dürfe nicht die Fehler der 70-er wiederholen, als viele alte Gebäude abgerissen worden sind. Das Zitat von Herrn Joecks steht oben. Jetzt zu insistieren, keiner der Vorschlagenden hätte einen Abriss ins Gespräch bringen wollen, halte ich für unsauber. Der konkrete Antrag, alternative Räumlichkeiten zu analysieren, kam erst später. Im übrigen halte ich den Antrag auch für sinnvoll.
Daniel Kämpfe am 25.05.2010
Okay, der Abriss wurde als mögliche Lösung in Betracht gezogen, der Vorschlag zielte aber nicht vornehmlich darauf ab. Es ist der Wunsch nach konkretem Zahlenmaterial und möglichen Alternativen (und das von Anfang an – nicht erst später), durch die die für Woltersdorf sinnvollste und kostengünstigste Lösung aufgezeigt werden soll. Wir dürfen gespannt sein, was das Ergebnis sein wird und werden das sehr genau verfolgen.
Es bleibt aber auch dabei, dass Herr Vogel hier IMO nicht gerade klug reagiert hat, zumal er am Donnerstag Zeit hatte, seine Reaktion am Abend zu planen.
Stefan Grams
Stefan Grams am 25.05.2010