Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem im Hauptausschuss CDU/FDP, SPD und Woltersdorfer Bürgerforum (WBF) einen Abriss der Alten Schule ins Gespräch brachten, reagierten langjährige Einwohner mit Entsetzen. Der Woltersdorfer Verschönerungsverein brachte seine Empörung in  einem Offenen Brief an die Fraktionen und den Bürgermeister zum Ausdruck.

Äußerungen zu politischen Vorgängen sind eigentlich nicht das Tagesgeschäft des Woltersdorfer Verschönerungsvereins. Bislang schien der Verein, der unter anderem den Aussichtsturm auf dem Kranichsberg betreibt, recht zufrieden mit den Entscheidungen der Gemeindevertretung.

Nach der turbulenten Hauptausschusssitzung letzte Woche hat sich das geändert. Dort hatten CDU/FDP, SPD und WBF vorgeschlagen, die geplante Sanierung der Alten Schule zu überdenken, alternative Räumlichkeiten am Markt zu suchen und möglicherweise das historische Gebäude ganz abzureißen. Viele Bürger riefen daraufhin beim Verschönerungsverein an, der als “Hauptmieter” mit seinem Heimatmuseum für die Alte Schule vorgesehen ist. Der Verein schrieb daraufhin einen Offenen Brief an die Fraktionen in der Gemeindevertretung und den Bürgermeister Dr. Rainer Vogel (GRÜNE).

In dem fünfseitigen Dokument äußert der Vorstand Verwunderung und Empörung. Noch einen Tag vor der Sitzung hatte die Vorsitzende Gisela Schuldt einen ersten Entwurf für ein Nutzungskonzept durch den Verein den Gemeinderäten vorgestellt. Auch bisher hätten alle Zeichen auf Sanierung gestanden. “Wir begreifen nicht, warum am selben Abend nach Beendigung der Sitzung im ‘kleinen Kreis’ am Biertisch plötzlich alle von der Gemeindevertretung gefassten Beschlüsse ‘gekippt’ werden sollen.”

Aus Sicht des Verschönerungsvereins gibt es keine Alternativen zur Alten Schule. “Ein Heimatmuseum ist in historischen Räumen [...] wesentlich besser untergebracht als in modernen beziehungslosen Neubauten.” Für ein Museum könnten nicht nur “kommerzielle Gesichtspunkte” gelten. Auch in “Nachbargemeinden” sei es möglich, “ehemalige Schulgebäude mit Haushaltsmitteln zu fördern, um sie für Museumszwecke umzugestalten und nutzen zu können.”

Daneben weisen die Vereinsmitglieder auf die Geschichte Woltersdorfs hin, in der sich “Kirche und Schule seit Jahrhunderten an diesem Ort [auf dem Markt] befinden”. Das erste Schulgebäude sei 1721 gebaut worden, das heutige würde seit 1882 stehen. “Dazu kommen [...] für die meisten ‘alten’ Woltersdorfer noch emotionale Bindungen. Der größte Teil der Woltersdorfer Bevölkerung identifiziert sich mit diesem im Ortszentrum gut erreichbaren Gebäude.”

Pikant wird es im Anhang des Dokuments. Dort werden CDU, SPD, WBF, DIE LINKE und die GRÜNEN mit ihren Wahlaussagen zur Gemeinderatswahl 2008 bezüglich der Alten Schule konfrontiert. Am deutlichsten hätte sich demnach die CDU für das Gebäude ausgesprochen: “Die Alte Schule sollte zu einem Ort der Begegnung und zu einem ansehnlichen Ortsmittelpunkt (Heimatmuseum) ausgebaut werden”, hätte es in ihrem Programm gehießen.

Auch die SPD hätte sich 2008 für den Erhalt “der wertvollen Bausubstanz unserer öffentlichen Gebäude” ausgesprochen. Allerdings äußerte sie sich ambivalent, dass die “bisherigen Nutzer [...] der Alten Schule auch künftig angemessen untergebracht werden.” Das Woltersdorfer Bürgerforum hätte damals die “Weiterentwicklung eines bürgerfreundlichen lebendigen Ortszentrums unter Einbeziehung der Alten Schule” versprochen. Der Verschönerungsverein beklagt in seinem Offenen Brief: “Die aktuellen Bestrebungen [dieser drei Parteien] hinsichtlich eines möglichen Abrisses der Alten Schule widersprechen unseres Erachtens eklatant den damaligen Wahlversprechen.”

Aus dem Offenen Brief wird deutlich: Welche Partei auch immer einen Abriss der Alten Schule unterstützen würde, würde sich wohl eine Abstrafung durch einige Woltersdorfer in der nächsten Wahl 2013 einhandeln. Und: Ein Abriss würde zu einem Konflikt zwischen “alten” und “neuen” Woltersdorfern führen – zwischen denen, die das Erbe des Ortes bewahren wollen, und jenen, die die Alte Schule als Verhandlungsmasse im Machtkampf zwischen Gemeindevertretung und Bürgermeister benutzen wollen.


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