Eine neu gegründete Bürgerinitiative will sich zu einer Opposition zu den Parteien im Woltersdorfer Gemeinderat entwickeln. Die Gründer der Freien Wählerinitiative Woltersdorf (FWIW) haben mit dem Ex-Bürgermeister Wolfgang Höhne mehr oder weniger schlechte Erfahrungen gesammelt. Jetzt unterstützen sie den neuen Bürgermeister und wollen eine Ablösung der Gemeinderäte erreichen, die Höhne unterstützt hatten.

Die FWIW besteht im Kern aus dem Ex-Gemeinderat Dr. Bernd Brauer, sowie den Unternehmern Peter Reschenberg und Wilhelm Diener. Am 4. Juni stellten sie sich der Öffentlichkeit vor.

Dr. Bernd Brauer wurde 2008 bekannt, als er als Gemeindevertreter zwar gewählt wurde, die Wahl aber nicht annahm. Er hatte das entsprechende Kreuz falsch gesetzt. Seitdem prozessiert er gegen die Gemeinde am Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder). Zwischen 2006 und 2008 saß er für die CDU-Fraktion im Gemeinderat.

Peter Reschenberg leitet den örtlichen Karnevalsverein. Auf den Ex-Bürgermeister Wolfgang Höhne ist er nicht gut zu sprechen. Der habe “versucht, in unser Vereinsleben einzudringen” und den Verein aus Woltersdorf verdrängt.

Wilhelm Diener hatte auch Streit mit Ex-Bürgermeister Höhne. Anlass war Dieners Sohn, der Mitglied bei den “Jungen Sängern” der Woltersdorfer Chorgemeinschaft war. Aus dem Umfeld Höhnes sei der Vorwurf gekommen, diese Gruppe sei rechts unterwandert gewesen. Was damals genau vorgefallen war, lässt sich heute nur schwer recherchieren. Diener möchte dieses Kapitel gerne geschlossen sehen und nicht mit dem FWIW in Verbindung gebracht wissen.

Die FWIW soll sich, so Dr. Brauer, zu einer “außerparlamentarischen Opposition” entwickeln. Reschenberg berichtet von einer Unzufriedenheit mit der derzeitigen Gemeindevertretung, die an ihn herangetragen würde. Bei der ersten öffentlichen Veranstaltung der Initiative lautete der Tenor: Die Abwahl Wolfgang Höhnes war nur ein Teil der “Problemlösung” – als nächstes sollen die Gemeinderäte, die Höhne unterstützt haben, abgewählt werden. Eine Frau forderte die FWIW-Gründer auf, nicht nur von außen zu opponieren, sondern bei den Gemeinderatssitzungen als Zuschauer dabei zu sein. Außer Brauer, der ein “persönliches Problem [habe], als Zaungast dabei zu sein”, erklärten Reschenberg und Diener dies tun zu wollen.

Die Unterstützung des neuen Bürgermeisters Dr. Rainer Vogel soll einen Schwerpunkt der Arbeit der FWIW bilden. Zustimmung erntete die Aussage eines Zuschauers, Dr. Vogel würde “gemobbt und gegängelt”. Diener forderte, “der Bürgermeister soll merken, dass die Bürger ihn nicht im Regen stehen lassen.” Dr. Vogel sei am 4. Juni auch eingeladen gewesen, kam aber nicht. Er habe im Vorfeld auf seine Parteimitgliedschaft bei den Grünen verwiesen. Brauer hält das für einen Irrtum, handele es sich bei der FWIW doch um keine Partei, sondern um eine Bürgerinitiative, der auch Parteimitglieder beitreten könnten.

Der Offene Brief des Woltersdorfer Verschönerungsvereins (WVV) wurde ausgiebig diskutiert. In ihm kulminiert zur Zeit die Kritik an CDU, SPD und Woltersdorfer Bürgerforum. Die FWIW würde sich, so schien es, gerne an die Spitze dieses Protestes stellen. Dr. Brauer und Reschenberg boten an, das kostenlose Anzeigenblatt “Kümmels Anzeiger”, zu dessen Herausgeber Michael Hauke sie gute Verbindungen haben, zur Veröffentlichung des Briefs nutzen. Für den WVV, der sich laut Satzung nicht politisch engagieren darf, könnte das Schützenhilfe für das Ziel des Briefes bedeuten: Den Abriss der Alten Schule zu verhindern und auf Sanierung zu drängen.