Während viel über die Alte Schule diskutiert wird, findet der Sport- und Freizeitpark kaum Beachtung. Die Investitionskosten für die dort neu zu bauende Sporthalle werden wahrscheinlich steigen, die geplante Außentribüne ist nicht mehr im Budget. Generell reichen die Einnahmen des Eigenbetriebs nicht aus, um die Kosten zu decken. Die Gemeinde muss zuschießen. Die Abgeordneten finden das normal.

Außentribüne fällt weg

Der geplante Neubau der Sporthalle im Sport- und Freizeitpark wird schmaler. Architekt Klaus-Dieter Gifhorn hatte in den ersten Entwürfen eine Außentribüne zum Sportplatz hin angedacht, die vom Dach der Sporthalle zum Teil mit überdacht werden sollte. In der Sitzung des Sozialausschusses am 19. Mai teilte er aber mit, dass diese Tribüne nicht mehr im Budget sei. Im März (mitten im Bürgermeisterwahlkampf) hatte Prof. Dr. Wolfgang Stock (CDU) noch behauptet die “schnelle Umsetzung dieses für alle Woltersdorfer wichtigen Projektes” sei “nur mit Bürgermeister Wolfgang Höhne möglich”. Das bewahrheitet sich nun – auf andere Art. Fraglich ist dabei, wie Höhne die Tribüne finanziert hätte.

Neubau wird teurer

2,5 Millionen Euro will die Gemeindevertretung für den Sporthallenneubau ausgeben. Doch wahrscheinlich reicht das Geld (auch ohne Tribünenbau) nicht aus. Die Gemeinde kann sich die Vorsteuer für die Investition nicht im geplanten Umfang vom Finanzamt zurückholen, so Geschäftsbesorger Horst Neumann am 15. Juni im Finanzausschuss. Der Vorsteuerabzug richtet sich nach der geplanten Nutzung, die die Gemeindevertretung festgelegt hat. Laut Neumann war geplant, dass Schulen und Vereine die Hälfte der Zeit in Anspruch nehmen, die andere Hälfte private Nutzer. Zuletzt waren Hauptnutzer der Anlage, zu der auch die alte Turnhalle gehört, aber nur Sportverein und Schule, so Pieper. Dritte machten nur einen Bruchteil aus. Resultat: Keine Privatnutzungen, kein Vorsteuerabzug. Auf die eingestellten 2,5 Millionen müsste die Gemeinde anteilig also noch Umsatzsteuer zahlen. Der Neubau würde erheblich teurer. Kämmerin Sölve Drawe sprach sich im Finanzausschuss für eine vorsorgliche Steuer-Prüfung aus, um Überraschungen zu vermeiden.

Folgekosten nicht eingeplant

Doch auch wenn die Sporthalle steht, ist noch nicht klar, woher das Geld kommt, sie zu betreiben. Darauf wies der Bürgermeister Dr. Rainer Vogel (Grüne) im Hauptausschuss am 20. Mai hin: Es sei eine “Werbekampagne” für Ex-Bürgermeister Höhne gewesen, die Folgekosten noch nicht in den Haushalt einzuplanen. Mit dem gleichen Argument begegnen SPD, WBF und CDU den Plänen Dr. Vogels für den Betrieb der Alten Schule. Auch hier sei mit Betreiberkosten von ca. 20.000 € im Jahr zu rechnen, für die noch keine Finanzierung stehe.

Zu wenig liquide Mittel

Jenseits der Finanzsorgen rund um den Neubau quietscht es auch im Tagesgeschäft des Eigenbetriebs Sport- und Freizeitpark. Geschäftsbesorger Neumann wies im Finanzausschuss am 15.6. auf ein Liquiditätsdefizit hin, das den Betrieb gefährde. Er brauche einen Zuschuss in Höhe von 30.000 €, “um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.” Waltraud Hochmuth (Linke) äußerte Verständnis: “Eigenbetriebe brauchen Zuschüsse” und Dr. Matthias Schultz (CDU) ergänzte, das sei “uns allen klar gewesen.” Auch SPD-Mitglied Claus-Dieter Quassowski (sachkundiger Einwohner für die CDU/FDP-Fraktion) konnte darin “nichts Schlimmes” entdecken. In den kommenden Jahren wird dieser Zuschuss dauerhaft eingeplant werden müssen, so Neumann. Der Grund für das Defizit liege in zu geringen Nutzungsentgelten. Um die Kosten zu decken, wäre eine Erhöhung auf 22 € (netto) pro Stunde nötig, so Amtsleiter Pieper. Da man aber den Nutzern keine höheren Kosten aufbürden wolle, muss nun die Gemeinde einspringen.

Dauerhaft rote Zahlen

Zu guter letzt fehlen dem Eigenbetrieb auch noch 69.000 € in der Bilanz 2008. Kämmerin Sölve Drawe sagte in der Gemeindevertretersitzung am 1. Juli, dieser Fehlbetrag resultiere aus nicht erwirtschafteten Abschreibungen. Anders als das Liquiditätsdefizit sei dieser Betrag auch nicht über mögliche Gebührenerhöhungen aufzufangen. Das sei aber so “zu erwarten” gewesen. Der Betrag würde Kapitalrücklagen der Gemeinde entnommen. Allerdings werde das Defizit, so Geschäftsbesorger Horst Neumann, auch in den nächsten Jahren auftauchen. Die Bereitstellung der 69.000 € aus Rücklagen wurde ebenso wie die 30.000 € für liquide Mittel in der Sitzung am 1. Juli einstimmig angenommen.

Ungleichgewicht

Für die Abgeordneten von SPD, CDU und Woltersdorfer Bürgerforum (WBF) haben Investitionen in den Schulsport eine hohe Priorität – wichtiger als Investitionen in den Umbau der Alten Schule zu einem Kulturhaus, wie es der Bürgermeister forciert. Während die Gemeindevertreter aber viel über Aspekte des Ausbaus streiten, bleibt es seltsam ruhig, wenn der Sport- und Freizeitpark mit seiner geplanten Sporthalle den Gemeindehaushalt immer stärker belastet. (eine Ausnahme bildet dieser kurze CDU-Artikel)


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