Bei einer Veranstaltung mit ausgewählten Gewerbetreibenden hat der Bürgermeister Unterstützung für seine Politik gesucht. Er wünschte sich eine organisierte Interessenvertretung der Woltersdorfer Unternehmer – als Lobbyorganisation im Gemeinderat. Auch die Gäste hatten Wünsche: Sie wollen mehr erfahren aus der Gemeinde.

Gut gefüllt war der Nebenraum im Bistro des Sport- und Freizeitparks. 50 bis 60 Gewerbetreibende waren der Einladung des neuen Bürgermeisters Dr. Rainer Vogel (Grüne) am 17.  September gefolgt.

Schnell kam er zum Grund seiner Einladung: Er wolle die “Gewerbetreibenden mehr am Geschehen beteiligen”. Dafür wünsche er sich einen Verein, in dem sich die mittelständischen Gewerbe des Ortes zusammenfinden. Es müsse eine “koordinierte Lobbyarbeit passieren”, so der neue Bürgermeister.

Zu tun gebe es im Ort genug. Zwischen den beiden “Kernen” Schleuse und rund ums Rathaus sei “ein Loch”, geprägt durch leere Läden, eine kaputte Schleusenstraße und schlechte Fuß- und Radwege. Die Unternehmer sollten “Druck machen” auf die Gemeindevertreter, um solche Stellen auszubessern. Er könne “das nicht allein verändern”.

Dieses Anliegen war anscheinend abgestimmt auf Dr. Vogels Plan, den er im Bauausschuss am 8. September vorgestellt hatte. Dort warb er für ausgewählte Projekte, die er in den kommenden fünf Jahren bevorzugt umsetzen möchte. Eines davon ist der Ausbau der Fuß- und Radwege entlang der Schleusenstraße, sowie der E.-u.-J.-Rosenbergstraße im Jahr 2012. Politische Mehrheiten waren dafür aber bislang nicht in Sicht. Die CDU-Fraktion beispielsweise sah den Anliegerstraßenbau gefährdet. Auch hätte der Bau der neuen Mehrzweckhalle Vorrang.

In seinem Wunsch nach einer Lobbyorganisation wurde der Bürgermeister unterstützt von Karl-Heinz Körber (FDP) vom Schöneicher Mittelstandsverein, der unter den Gästen war. Er forderte die Woltersdorfer Unternehmer auf, für die Gemeindevertretung in ihrem Ort zu kandidieren, um Einfluss zu nehmen.

Die anschließende Fragestunde an den Bürgermeister wurde rege genutzt. Es kam gut an, dass der Verwaltungschef mit den Unternehmern ins Gespräch kommen wollte. Bemängelt wurde die spärliche Informationspolitik der Gemeinde. Als Beispiele wurden die überalterte Webseite, das karge Mitteilungsblatt und die überraschenden Straßenbahn-Bauarbeiten des vergangenen Sommers angeführt.

Dr. Vogel versprach Abhilfe. Er meinte, gegen die Verwaltung, der er seit ein paar Monaten vorsteht, sei “ein dickes Brett zu bohren.” Noch wüsste er nicht, “wer mich hinhält und wer wirklich nicht kann.” Bei den Straßenbahn-Bauarbeiten habe er “nur begrenzt Einfluss” gehabt. Informationen hätte er selbst auch erst kurzfristig und nach mehrmaliger Nachfrage erhalten.

Dem Vorwurf eines Gastes, der Verwaltungsapparat sei “aufgebläht”, widersprach er. Die Verwaltung sei mit 23 Stellen “durchaus schlank”. Er bedauerte den Fortgang von Ordnungsamtsleiter Michael Pieper, der neuer Geschäftsführer der AWO Fürstenwalde wird. Dessen Amt soll zukünftig noch stärker zum Ansprechpartner für die Unternehmer werden.

Daneben verteidigte er den Bau des neuen Rathauses, das ein “reiner Zweckbau und kein Palazzo Prozzo” sei. Auch für den Bau der Mehrzweckhalle sprach er sich aus: “Die Halle muss sein.”

Ein Frage bezog sich auf die Auswahl der Gäste. Warum wurden nur 100 Unternehmer eingeladen? Der Bürgermeister antwortete, er habe die größeren Gewerbe und die, die er kenne, ausgewählt. Diese wolle er auch als Sponsoren gewinnen – für die überarbeitete Version des Mitteilungsblattes, das eines seiner Wahlkampfziele war. Und: Wenn es einen Gewerbeverein gäbe, dann “seien auch solche Veranstaltungen nicht nötig”, so Dr. Vogel.


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