Alles wird teurer: Alte Schule, Rathaus, Schulerweiterungsbau und die Außenanlagen des Neuen Rathauses. Der Finanzausschuss wollte sich deswegen von der Verwaltung erklären lassen, warum die Kosten immer wieder überschritten werden. Die Begründung blieb jedoch im Allgemeinen.

Gebäudemanager Siegfried Wendt hatte sich umfangreiches Zahlenmaterial vom Statistischen Bundesamt besorgt, dass er beflissen an die Wand projizierte. Er wollte den Ausschussmitgliedern erklären, warum die jüngsten Bauvorhaben der Gemeinde allesamt über den geplanten Kosten gelegen haben. Sein Kronzeuge: Der “Baupreisindex”.

Knapp vier Prozent im Jahr würden die Preise, die Baufirmen verlangen, pro Jahr steigen. Einen besonders heftigen Anstieg gebe es im Straßenbau. Dort seien die Preise seit 2005 um 18 Prozent gestiegen. Als Gründe nannte Wendt die steigenden Energiekosten, die bei Baustoffen besonders durchschlagen würden und hohe Tarifabschlüsse. Seine Schlussfolgerung und Rat an die Abgeordneten: “Zügig planen, zügig bauen, dann ist das Risiko am geringsten” überrascht zu werden.

“Schicksal” – da kann man nicht viel machen

Die Gemeindevertreter reagierten mit Zurückhaltung, stimmten aber der Aussage des Gebäudemanagers im großen und ganzen zu, zügig zu bauen sei wichtig. SPD-Vorsitzender Frank Müller-Brys gefiel aber die Schlussfolgerung nicht: Bei einer derartigen Kostensteigerung “müssten wir alle Straßen sofort bauen”. Ausschussvorsitzender Dr. Matthias Schultz (CDU) monierte, bei einer Durchschnittsberechnung müsse man auch die Standardabweichung vom Mittelwert mit angeben, was Wendt nicht getan hatte.

Dann kam auch noch das Schicksal ins Spiel. Dr. Schultz meinte, in Wendts Worten etwas “Schicksalhaftes” entdeckt zu haben. Bürgermeister Dr. Rainer Vogel (Grüne) teilte die Einschätzung und bemerkte, man könne “nicht alles vorher berechnen”. Er sprach sich aber für einen “Puffer” bei der Finanzplanung aus. Das war auch das, worauf sich die Ausschussmitglieder einigen konnten. Sie empfahlen, bei zukünftigen Bauten die Baukostenentwicklung zu berücksichtigen.

Inflation im Baugewerbe nicht überraschend

Doch bei genauerer Betrachtung genügen die Erklärungen Wendts als Ursache für die gestiegenen Kosten nicht. Erstens müsste man die Baupreise zumindest mit den Verbraucherpreisen vergleichen, um etwas über ihren “Überraschungseffekt” sagen zu können. Zum anderen sind die ohne Zweifel heftigen Preissteigerungen im Baugewerbe 2008 an den jüngsten Kostenüberschreitungen nur begrenzt schuld.

Erstens: Der Vergleich mit 2005 hinkt. Üblicherweise wird die Inflation pro Jahr angegeben. Zudem sollte man die Baupreise mit den – für Otto Normalverbraucher relevanten – Verbraucherpreisen vergleichen (siehe Tabelle). Deutschland hatte seit der Wende im Schnitt 1,9 Prozent Inflation pro Jahr. Ein Anstieg um diesen Faktor sollte also auch im Baugewerbe als fast normal angesehen werden. Trotzdem, da hat Wendt recht, stiegen die Baupreise zuletzt stärker als die Verbraucherpreise. Die Energiekosten eignen sich aber nicht als Begründung, warum ausgerechnet im Baugewerbe die Preise stark steigen. Preistreiber bei den Verbraucherpreisen ist ebenfalls die Energie.

Veränderung des Baupreisindex’ (Straßenbau) gegenüber Vorjahr Entwicklung des Verbraucherpreisindex’ gegenüber Vorjahr
2005 Jahresdurchschnitt 0,4 % 1,5 %
2006 Jahresdurchschnitt 3,7 % 1,6 %
2007 Jahresdurchschnitt 6,6 % 2,3 %
2008 Jahresdurchschnitt 4,3 % 2,6 %
2009 Jahresdurchschnitt 2,3 % 0,4 %

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Zweitens: Wendt erwähnte in einem Nebensatz, dass es bis 2008 “erhebliche Kostensteigerungen” im Baugewerbe gegeben habe. Allerdings: Diese Entwicklung hat sich in den Folgejahren kontinuierlich wieder abgeschwächt. Nach den bisherigen Zahlen für die ersten drei Quartale 2010 liegt die Veränderung bei nur noch 0,6 Prozent. Sind denn alle Kostenschätzungen vor dem Höhepunkt 2008 gemacht worden? Darüber sagte Wendt nichts.

Die Preisüberschreitungen bei der Sanierung der Alten Schule (80.000 Euro), Rathaus (48.000 Euro), dem Schulerweiterungsbau (117.000 Euro) und den Rathaus-Außenanlagen (22.000 Euro – abgelehnt) liegen höher, als sie durch den Baupreisindex erklärt werden könnten. Das liegt zum einen an wirklichen Überraschungen, wie dem eingestürzten Dach beim Schulerweiterungsbau oder Gebäudeschäden in den Altbauten des Rathauses und der Alten Schule.

Doch selbst bei den Rathaus-Außenanlagen, die bisher nicht mit Altlasten aufwarteten, ist der Baupreisindex nur begrenzt aussagefähig. Nach den ersten Zahlen, die dem Bauausschuss im November vorgelegt worden waren, sollten die Außenlagen ca. 50.000 Euro kosten. Vier Monate später (diesen März) hatte sich diese Summe (in der billigsten Variante) um 22.000 Euro erhöht. Das wäre eine Kostensteigerung von 44 Prozent gewesen – zuviel, selbst wenn man 2005 angefangen hätte zu planen. Das sahen auch die Gemeindevertreter jüngst so und lehnten die Steigerung ab.


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