Hartnäckigkeit zahlt sich aus
Das neue Rathaus ist in Betrieb, die Außenanlagen fehlen aber noch. 50.000 Euro sollte die Begrünung, ein Verbindungsweg zwischen Seestraße und Marktplatz und ein Fahrradunterstand für die Mitarbeiter kosten. Doch alle Angebote, die die Verwaltung einholte, lagen weit darüber. Durch die Hartnäckigkeit der Gemeindevertretung wurden die Kosten gedrückt und liegen jetzt nur noch ein Viertel über der Planung.
Der letzte Schliff am neuen Rathaus fehlt noch. Ein Bauzaun versperrt den Weg, der zwischen Seestraße und Marktplatz eine Abkürzung wäre. Ende letzten Jahres stellte Gebäudemanager Siegfried Wendt sein Pläne zur Gestaltung der Außenanlagen vor. 50.000 Euro sollten sie kosten. Kurz darauf erfolgte die Ausschreibung. Da lagen die Gesamtkosten aber bei rund 85.000 Euro. Ein ordentliches Plus, dass u.a. auf eine aufwändige Fahrradabstellanlage, die verschließbar und überdacht sein sollte, zurückging. Zudem, meinte Wendt, wären jetzt Lampen vorgesehen. Sein Plan habe ursprünglich einen für die Öffentlichkeit versperrten Weg vorgesehen.
Die Gemeindevertreter blockierten die Mehrkosten, so dass Wendt gezwungen war, sich nach günstigeren Alternativen umzuschauen. Im März diesen Jahres schlug er ein abgespecktes Bauprogramm vor, das im günstigsten Falle immer noch 72.000 Euro gekostet hätte. Auch hier wäre der Weg aber gesperrt gewesen. Die Gemeindevertreter verlangten aber einen öffentlichen Weg, zumal der Weg über den Parkplatz nebenan (ehemals Plus-Markt) in privatem Besitz ist und somit vielleicht nicht auf Dauer zur Verfügung stünde.
Rückendeckung bekam der Gebäudemanager von seinem Chef, Bürgermeister Dr. Rainer Vogel (Grüne), der die Abgeordneten aufforderte, den Weg (der vor seinem Büro vorbeiführt) bitteschön nicht “ärmlich” erscheinen zu lassen. Auch die Vorsitzende der Linken, Prof. Dr. Eva Böhm, warb dafür, dass die Ortsmitte “ansehnlich” sein müsste.
In der dritten Überarbeitung, die die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am 7. April annahmen, beliefen sich die Kosten noch auf 62.000 Euro. Der Weg würde dafür zwar etwas schmaler und zwei Fahrzeug-Stellplätze seien nicht mehr drin. Überraschenderweise muss der Weg für das geringere Geld aber nicht gesperrt bleiben, denn eine einfache Pollerbeleuchtung für 3.000 Euro war eingerechnet. Außerdem war ein überdachter (aber nicht verschlossener) Fahrradunterstand für 12 Fahrräder der Verwaltungsmitarbeiter (10.000 Euro) im letztendlichen Vorschlag von Wendt enthalten.
Damit zeigt sich, dass es sich lohnen kann, hartnäckig zu bleiben – auch wenn die jetzt beschlossene Summe immer noch 24 Prozent über den ursprünglichen Planungen liegt. Denn gegenüber der ersten Ausschreibung spart die Gemeinde bares Geld. Offenbar mangelt es an Anreizen für die Verwaltung, bei Bauprojekten das Ziel mit weniger Geld zu erreichen, als zur Verfügung steht.
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