Die Gemeinde will den Winterdienst wechseln. 30.000 Euro stehen dafür 2011/2012 zusätzlich zur Verfügung. Profitieren wird u.a. das Lerchenfeld an der Vogelsdorfer Straße, das schneller geräumt werden soll. Ab dem übernächsten Winter werden voraussichtlich die Woltersdorfer für den Winterdienst zur Kasse gebeten werden.

Im letzten Winter kam der Winterdienst in Woltersdorf selbst auf den wichtigen Straßen nicht hinterher. Die Unzufriedenheit mit der beauftragten Firma aus Rüdersdorf war groß. Der Bürgermeister, Dr. Rainer Vogel (Grüne), schimpfte sie als “billigsten Anbieter” mit “schlechter Technik”.

Dabei waren der auftraggebenden gemeindeeigenen GWG die Hände gebunden. 8.000 Euro konnte sie für externe Schneeräumdienste ausgeben. Bereits nach den heftigen Schneefällen im Dezember war dieser Pauschalbetrag für das beauftragte Unternehmen nicht mehr kostendeckend. Hinzu kamen 5.000 bis 6.000 Euro zusätzliche Personalkosten für den Bauhof der GWG, der vor allem kommunale Fußwege räumen sollte.

Der Einsatz von Salz war bislang unpopulär. Nur in Ausnahmefällen, wenn nichts mehr ging, kam das teure und aggressive Mittel zum Einsatz. Im Vergleich mit Schöneiche und Rüdersdorf waren die Woltersdorfer Straßen zwar schlechter geräumt, allerdings trugen die Straßen auch weniger Schäden als in den Nachbarorten davon. In Rüdersdorf durfte die selbe Winterdienstfirma konsequent mit Salz streuen.

Auf den neuen Ordnungsamtsleiter Hannes Langen kam nun als eine erste wichtige Aufgabe die Neuorganisation des Winterdienstes zu. Das ist er generalstabsmäßig angegangen. Er hat die Beschwerdeanrufe und die Gefahrenmeldungen des Winters auf eine Karte eingetragen und den Gemeindevertretern vorgelegt: Auf welchen Straßen gibt es immer wieder Probleme? Wo blieben Autos, wo die Müllabfuhr liegen?

Lerchenfeld rückt nach vorn

Vorfahrt für den Winterdienst im Lerchenfeld (Quelle: OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA)

Vorfahrt für den Winterdienst im Lerchenfeld (Quelle: OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA)

Seine Lösung ist zweidimensional. Statt wie bisher die Straßen nur nach Wichtigkeit (drei Kategorien) einzuteilen, will Langen das 60 Kilometer lange Woltersdorfer Straßennetz auch nach der Zeit bis zur ersten Räumung einteilen (zwei Kategorien, innerhalb von drei bzw. von sechs Stunden geräumt).

An vorderster Stelle bleiben die wichtigen Straßen: Hauptstraßen, Straßen mit Busverkehr, Autobahnzubringer. Danach kommen gefährliche Kreuzungen und Gefälle dran. An dritter Stelle sieht Langen Wohngebiete “mit hoher Bevölkerungsdichte” vor. Das Neubaugebiet Lerchenfeld ist dort explizit genannt, der Wiesenring markiert. Damit steigt dieses Gebiet entlang der Vogelsdorfer Straße in der Bedeutung des Winterdienstes.

Die naheliegende und sinnvolle Annahme, die dem Konzept zu Grunde liegt, erklärt Langen so: Wenn sich der Schnee erst einmal festgefahren hat, ist es schwieriger, ihn wegzuräumen. Deswegen soll schneller an den wichtigen Stellen geräumt werden.

30.000 Euro zusätzlich

Der höhere Anspruch wird 2011/2012 auch mit mehr Geld bedient: 30.000 Euro waren eigentlich vorgesehen für ein Schiebeschild, mit dem die Feuerwehr mit ihrem Gerätewagen zum Schneeräumen hätte geschickt werden können. Doch wegen Lieferschwierigkeiten kam es nicht dazu. Die Feuerwehr wird nicht zum Hilfs-Winterdienst. Das Geld soll nun im nächsten Winter für das neue Winterdienst-Konzept ausgegeben werden. Die Ausschreibung läuft bis Ende April.

Ab nächstem Jahr sollen Anwohner zahlen

Mit dem teureren Winterdienst müssen sich Erfolge einstellen, sonst kommt die Gemeinde in Erklärungsnöte. Ab übernächstem Winter soll der Winterdienst dauerhaft mehr kosten. Allerdings ist dann kein Geld für nicht angeschaffte Schiebeschilder zu verteilen. Stattdessen überlegt Amtsleiter Langen die Anwohner in die Pflicht zu nehmen. 1 bis 2 Euro pro Meter Straßenfront könnten auf sie in einem Winter zukommen.

Rechnet man diesen Betrag auf 60 Kilometer Straße hoch, kommen sogar mehr als die 30.000 Euro heraus. Hannes Langen meint, dass damit natürlich auch ein höherer Anspruch auf einen vernünftigen Winterdienst bestehe. Wenn die “Qualitätsstandards dann nicht gehalten werden können, haben wir ein Glaubwürdigkeitsproblem”, sagte er im Sozialausschuss am 9. März.

Unterstützung bekam er dort von Dr. Matthias Schultz (CDU), der “keine andere Möglichkeit” sah, als die Kosten umzulegen. Er glaube sogar, dass 1 bis 2 Euro nicht ausreichen würden. Jens Mehlitz vom Woltersdorfer Bürgerforum schlug eine Bürgerversammlung vor. Zwar tat er dies mit ironischem Unterton, aber irgendwie ahnte er wohl, dass die Einführung einer Winterdienst-Gebühr ein Politikum werden könnte.

In der Gemeindevertretersitzung vom 7. April waren schon keine konkreten Zahlen zur Höhe der Winterdienstgebühr mehr zu hören. Hannes Langen will jetzt erstmal mit seinen Mitarbeitern beratschlagen.


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